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Über Zuhören

Fragt man Dr. Google oder die KI, so bekommt man unterschiedlichste Erklärungen, wie man „Zuhören“ definieren könnte. Ich möchte Ihnen auf dieser Seite aber meine eigene Definition vom „Zuhören“ näher bringen.

Ein Anagramm ist ein Wort, bei dem durch die Neuanordnung aller Buchstaben (es wird kein Buchstabe weggelassen und auch kein neuer Buchstabe hinzugefügt) ein neues, sinnvolles Wort entsteht. Und so ist es auch beim Wort „Zuhoeren“, bzw. beim englischen Wort „Listen“. Aus „Zuhoeren“ wird das Wort „Ruhezone“ und aus dem Wort „Listen“ das Wort „Silent“. Und das ist das, was ich unter „echtem Zuhören“ verstehe …

Zuhören bedeutet für mich, dem anderen einen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem der Zuhörer selbst still/ruhig ist. Nicht nur im Sinne des „Nicht Sprechens“, sondern dass es auch im Kopf des Zuhörers still/ruhig ist. Wo nur wenige (im Idealfall gar keine) eigenen Gedanken sind und man völlig bei und in den Gedanken des anderen ist. Das ist für mich wahres/echtes Zuhören.

Echtes Zuhören ist wahrlich eine der herausforderndsten Aufgaben, denen man sich so im Leben stellen kann. Warum? Weil wir Menschen nun einmal in unserer eigenen (Gedanken-)Welt leben. Es sind ständig Gedanken in uns und das führt dazu, dass man in der Kommunikation mit anderen Menschen immer einen inneren Abgleich mit den Informationen des anderen finden muss. Deshalb wird ständig alles, was von außen in uns hineinkommt, mit der eigenen Sichtweise interpretiert. Und das hat selten etwas mit dem zu tun hat, was der andere wirklich sagen möchte. Konkretes Beispiel: Der andere sagt: „Mein Urlaub in Griechenland war sehr schön.“ Sofern Sie selbst auch schon einmal in Griechenland waren, so entstehen sofort Bilder in Ihrem Kopf (also Gedanken, denn Gedanken sind immer Worte & Bilder) von Ihrer eigenen Vorstellung und von Ihren eigenen Erlebnissen in Griechenland. Und das hat nichts, wirklich rein gar nichts, mit den konkreten Erlebnissen und Eindrücken des anderen zu tun … Selbst bei einfachen Gesprächen über Urlaube redet man in Wahrheit komplett aneinander vorbei.

Echtes Zuhören würde in diesem Beispiel bedeuten, die eigenen Gedanken über Griechenland außer Acht zu lassen und sich in die Vorstellungswelt des anderen hineinzuversetzen. Dass das nicht immer zu 100% gelingen wird ist klar, aber nur so funktioniert es.

Aus dieser Perspektive heraus habe ich das Wort „Aussprechraum“ kreiert. Der Begriff „Aussprechraum“ wird für mein Angebot des Zuhörens verwendet.

Zur näheren Erklärung: Der Begriff „Aussprechen“ ist in der deutschen Sprache doppeldeutig. Einerseits bedeutet es, dass man „ausspricht“, also während dem Sprechen nicht unterbrochen wird. Man kann einen Gedankengang sprachlich zu Ende bringen. Andererseits kann es aber auch bedeuten, dass man etwas „ausspricht“, also das, was man gedanklich oder emotional in sich trägt, nach außen in den „Raum“ bringt … Der Begriff „Aussprechraum“ wird von mir sowohl unter dem einen, als auch unter dem anderen Blickwinkeln gesehen und daher definiert.

Zusammengefasst: Echtes/Wahres Zuhören bedeutet, den anderen so lange ausreden zu lassen, bis er seine Gedanken für sich geordnet hat. Und für den Zuhörer bedeutet es, dem anderen den Raum dazu zu geben, wo dies auch möglich werden kann …